Zu zweit allein im Erotikpalais

Der erste Monat unseres "Zurück-zur-Basis"-Vorhabens ist nun verstrichen. Unsere erotische Situation hat sich seitdem verbessert, Bonnie hat deutlich mehr Lust und Spaß an unserer Zweisamkeit und wir haben nun unseren ersten Clubbesuch des Jahres gewagt.

Wieder einmal planten wir diesen Besuch während einer Fahrt zur Familie ein. Bonnie freute sich tatsächlich mehr auf dieses Abenteuer, als sie es bei den vorherigen Gastspielen tat. Der Club lag sehr weit abgelegen in einem Wald. Wir kamen bereits sehr früh dort an, sodass erst wenige Leute da waren. Wir zogen uns unsere Club-Kleidung an; Clyde trug wie immer seine Weste zur schicken Boxershorts an, Bonnie trug einen schwarzen BH, dazu einen schwarzen engen Rock und Halterlose in High Heels.

Wie so oft zog es uns als erstes zur Bar, wo wir uns ein Glas Sekt gönnten. Das wird so langsam zu unserer Club-Tradition. Bei einem kleinen Rundgang entdeckten wir die ganzen Räume. Neben einem Kaminzimmer mit vielen Matten und einem "Behandlungsraum", in dem der obligatorische Gynäkologen-Stuhl stand, gab es ein richtiges kleines Pornokino mit vielen alten Kinosesseln. In den ganzen Räumen war allerdings noch gar nichts los, was uns wieder in Richtung Bar verschlug. Dort gabelte uns der Besitzer des Clubs auf, der uns eine detaillierte Führung durch das ganze Etablissement gab und uns sämtliche Regeln erklärte.

Wieder verschlug es uns aufgrund der gähnenden Leere zur Bar. Die dort anwesenden Besucher lagen leider weit außerhalb unserer Altersgruppe, obwohl diese Party als Veranstaltung für junge Paare deklariert war. Wir beschlossen, uns erst einmal zu zweit ein wenig Entspannung zu verschaffen und begaben uns dazu ins hauseigene SM-Zimmer. Dort konnte man im Türrahmen einen Vorhang zuziehen und somit seine Privatsphäre genießen. Eine der vorher erklärten Regeln war, dass man bei einem zugezogenen Vorhang von außen weder das Zimmer betreten noch reinschauen darf. Daran hielt sich leider kaum jemand, immer wieder bemerkten wir, dass munter der Vorhang ein Stück zur Seite geschoben wurde. Klar ist man in einem Club um zuzusehen und auch angesehen zu werden, aber wenn man zwischendurch seine Privatsphäre genießen möchte und dies vom Club auch so gedacht ist dass man auch mal in Ruhe seine Zeit genießen kann, dann sollte dies auch respektiert werden. So konnten wir uns leider weniger gut entspannen.

Bei einem weiteren Mal an der Bar sprach uns ein nettes Paar an, welches wir schon bei der Führung mit dem Besitzer kennengelernt hatten. Auch die beiden waren leider etwas zu alt für uns, allerdings war es angenehm, sich auch mal mit anderen zu unterhalten. Wir tauschten uns über unsere Erfahrungen in Clubs aus und vertrieben uns so etwas die Zeit. Bald zogen die beiden weiter und wir entschlossen uns dazu, etwas zu essen. Das war eine Premiere für uns, da wir trotz meist im Eintritt enthaltenen Buffet bisher noch nirgends wirklich zugelangt hatten. Das Essen hier war richtig gut, es gab eine große Auswahl an warmen Speisen und Desserts.

Zu der allgemeinen Enttäuschung über das relativ alte Publikum und die damit zusammenhängende Unlust von Bonnies Seite aus kam schließlich noch das Problem des fehlenden Handyempfangs, der für viel Stress sorgte, da so keine Alibi-Nachricht an die Familie gehen konnte dass wir nun offiziell unterwegs sind. Da diese Nachricht erwartet wurde und sich bestimmte Familienmitglieder auf der Stelle Sorgen machen würden, wenn wir uns weder zur geplanten Abfahrt noch in den drei darauffolgenden Stunden melden würden, schoss das Stresslevel von uns beiden ziemlich in die Höhe. Aber wir hatten keine Chance, es gab laut Mitarbeiter in einigen Kilometer Umkreis keinen Handymast, da wir uns mitten in einem Naturschutzgebiet befanden. Nach einer halben Stunde Kopfzerbrechen und dem Hin- und Herüberlegen, ob wir den Besuch nun abbrechen müssen, fanden wir im Eingangsbereich endlich einen kostenpflichtigen WLAN-Hotspot und zahlten für die eine wichtige Nachricht gern die 5 Euro für den Tageszugang, damit wir uns wieder entspannen konnten und den restlichen Abend ohne große Gedanken genießen konnten.

Als sich der Puls dann endlich mal wieder auf normalem Level befand, machten wir unseren gefühlt hundertsten Rundgang durch den Club. Mittlerweile war auf den Matten etwas mehr los, allerdings hielt sich unsere Erregung weiterhin in Grenzen, da dort entweder nur sehr unerotische Geräusche zu hören waren und/oder, wie bereits erwähnt, deutlich ältere Menschen auf den Matten zu Gange waren. Den Gipfel bildete ein älterer Herr, der die 50 schon weit überschritten hatte. Natürlich soll jeder Mensch in jedem Alter gerne seiner Sexualität frönen, keine Frage. Aber dies war eine Party für junge Leute. Klar heißt junge Leute nicht U30, auch mit 45 kann man sich noch jung fühlen. Und davon waren ja auch einige anwesend, was uns nicht erregte, aber für uns auf jeden Fall verständlich und kein Problem war. Aber mit knapp 60 war da die Grenze zu der jüngeren Altersgruppe unserer Meinung nach deutlich überschritten. Also ging es wieder an die Bar.

Um der sexuellen Frustration Luft zu machen, entschlossen wir uns abermals, zu zweit auf Entdeckungstour zu gehen. Diesmal entschieden wir uns für ein Zimmer mit einem hochbettartigen Konstrukt, auf dem wir uns oben niederließen. Unter uns befanden sich bereits zwei Paare, die wir von oben nur hören konnten. Dies feuerte unsere Stimmung etwas an und wir gaben uns unserer Lust hin.

Mittlerweile war es etwas später geworden und es fanden sich ein paar Menschen in unserem Alter unter den Gästen. Leider fiel uns kein Paar auf, mit dem wir uns mehr hätten vorstellen können. Also suchten wir uns abermals zu zweit einen lauschigen Platz, dieses Mal im Gitterzimmer. Da der obere Spielbereich in dem Club, wo sich auch das Gitterzimmer befand, nach wie vor recht ausgestorben war, blieben wir allein. Da das Ende des Abends schon in Sicht war, machten wir uns auf den Weg in die Umkleiden und entschlossen uns, den Club zu verlassen.

Wie man aus dem Bericht vermutlich schon raushören konnte, war dieser Besuch tatsächlich mal eine kleine Enttäuschung für uns. Aber es kann ja leider nicht jedes Mal so erfüllend und anregend sein wie die Male zuvor. Wir planen dafür nun schon unseren nächsten Clubbesuch. Dieser soll dann mal eher in der Nähe stattfinden, da wir in der nächsten Zeit keinen Familienbesuch einrichten können. Wir werden das nächste Mal auf jeden Fall verstärkt darauf achten, dass Leute ab einem gewissen Alter bei Partys für junge Leute keinen Einlass in das veranstaltende Etablissement bekommen. Unser nächster Besuch wird also sicher wieder anregender. Bis dahin...

gebt euch euren schlafzimmerlaunen hin!

Bonnie & Clyde